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RSSPrint

Geschichte der Zisterzienser

08.09.2016

Aus: Hans-Jürgen Drewes, Hildesheim aus: Ev. Kirchengemeinden, Klöster, Konvente und Kommunitäten an Zisterzienserkirchen in Deutschland.

Der Zisterzienserorden erhielt seinen Namen nach seinem ersten Kloster Citeaux. Es wurde am 21.03.1098 in einer sumpfigen Einöde südlich von Dijon in Frankreich von Robert von Molesme gegründet. Dieser erste Abt wollte erstarrte Anschauungen und Lebensformen des Mönchtums seiner Zeit durchbrechen. Einfaches Leben, Wiederherstellung des von Benedikt von Nursia beabsichtigen Gleichgewichts von Beten und Arbeiten (ora et labora), leben von eigener Arbeit und Loslösung vom unverdienten Einkommen waren die Anliegen der neuen Gemeinschaft.

So gehört zur Vorgeschichte der Zisterzienser der Benediktionerorden mit der Regel des Hl. Benedikt, die er für das 529 gegründete Kloster Monte Cassino schrieb und die das leben im Kloster beschreibt. Hiernach ist dem Gottesdienst nichts vorzuziehen. Zum Verhalten eines ordensangehörigen gehören Demut, Gehorsam und Schweigen ebenso wie Keuschheit und Armut.

Bedeutend für die Entwicklung des Zisterzienserordens war der 3. Abt von Citeaux, der Angelsachse Stephan Harding (1109-1133), der mit der “Carta Caritatis” zusätzlich zu der Benediktsregel eine Ordensgrundlage schuf. Diese betont den Charakter des Ordens als eine Mönchsfamilie, Selbständigkeit jedes einzelnen Klosters, jedoch mit Visitation durch das Mutterkloster und Oberaufsicht durch das jährliche Generalkapitel der Äbte in Citeaux.

Auftrieb erhielt der Orden durch den Eintritt von Bernhard (geb. 1090), dem späteren Abt von Clairvaux, ins Kloster Citeaux 1112. Er wurde 1115 mit 12 Mönchen ausgesandt zur Besiedlung von Clairvaux, dem 3. Tochterkloster. Bernhard starb am 20.08.1153. Bei seinem Tod zählte der Orden bereits 335 Klöster, davon in Deutschland über 100. Das erste deutsche Zisterzienserkloster war Kampam Niederrhein, besiedelt 1123 vom französischen Kloster Morimond, das selbst 1115 direkt von Citeaux besiedelt worden war. Bereits im 12. Jhdt. breitete sich der Orden im ganzen christlichen Abendland aus bis nach Skandinavien, Spanien und Irland.

Das Leben im Orden war ungewöhnlich hart, nach Bernhards Vorbild eine Mischung von weltabgewandter Mystik und weltzugewandter Aktivität. Die Christusverehrung wurde in der Frömmigkeit stark mit der Marienverehrung verbunden. Alle Zisterzienserklosterkirchen sind Marien-Kirchen. Eine große Rolle spielten im Klosterleben die Laienbrüder, Konversen genannt. Sie leisteten Bedeutendes in Landwirtschaft, Wein-, Obst- und Gartenbau, in der Fisch- und Tierzucht sowie in der Mühlenwirtschaft. Die Chormönche kümmerten sich stärker um das Chorgebet.

Die strengen Ordensvorschriften beeinflußten auch Bauten und Kunst der Zisterzienser, die durch Schlichtheit gekennzeichnet waren. Diese Einstellung lockerte sich nach dem Tod von Bernhard. Es gibt einige Kennzeichen für die mittelalterlichen Klosterkirchen dieses Ordens, so den schlichten Dachreiter ....

Große Bedeutung hatte der Orden im 13. Jhdt. für die Ostkolonisation und -mission. Um 1350 zählte man 740 Zisterzienserklöster, (150 in Deutschland). Im 13. Jhdt. gab es aber auch schon Veränderungen im Tätigkeitsbereich des Ordens. Die anfängliche Ablehnung von Predigt und Seelsorge im Umfeld der Klöster ließ sich nicht aufrechterhalten. Auch der Wissenschaft wandte man sich stärker zu. In den Werkstätten fertigte man bedeutende Glasfenster, in den Skriptorien kostbare liturgische und biblische Bücher.

Schon früh entstanden Frauenklöster im Orden. Das erste Zisterzienserinnenkloster wurde 1125 in Trat in Frankreich gegründet, das dem Abt in Citeaux unterstand. Im Laufe des 12. und 13. Jhdt. schlossen sich zahlreiche Benedektinerinenn-Klöster dem Orden an. 1228 erließ das Generalkapitel ein Aufnahmeverbot, aber es kam trotzdem zu Neugründungen. Die Frauenklöster bildeten keinen eigenen Orden, sie waren voll inkorporiert. Sie waren und sind ihrem “VaterAbt” unterstellt, wobei jedes Kloster von einer Äbtissin geleitet wird. .... Die Konstitutionen und Klausurvorschriften sind ungemildert dieselben wie bei den Männern. Im Hochmittelalter waren einige Nonnenklöster der Zisterzienser Pflegestätten der Mystik wie Helfta bei Eisleben. In der Blütezeit im 13 Jhdt. gab es in Deutschland allein etwa 300 Zisterzienserinnenklöster.

Mönche und Nonnen tragen eine weiße Kutte und schwarzes Skapulier(Schulterkleid) mit schwarzem Zingulum, zum Gottesdienst die Kukulle (weißer Umhang oder Mantel) mit Kapuze.

Reformation im 16. Jhdt. und Säkularisation im 18./19. Jhdt. brachten dem Ordenschwere Verluste an Klöstern. Hinzu kam, daß schon im 17. Jhdt. im Kloster La Trappe in Frankreich sich eine Richtung im Orden bemerkbar machte , die das ursprünglich strenge Leben von Citeaux wieder einführte wie strenges Schweigen, harte Askese, Handarbeit und Schlafsäle statt Einzelzellen. 1892/94 trennten sich die Zisterzienser der strengen Observanz, auch Trappisten genannt, von ihrem alten Orden und gründeten einen eigenen. Beide Orden haben im 20 Jhdt. neue Klöster in Amerika, Asien und Afrika gegründet. Seitens der Zisterzienser gab es in den letzten 100 Jahren Wiederbelebungen von Klöstern wie Marienstatt im Westerwald, Himmerod in der Eifel und in jüngster Zeit Osek in Tschechien sowie Neugründungen wie in Bochum-Stiepel. Der Generalabt hat heute seinen Sitz in Rom, wo auch das Generalkapitel alle fünf Jahre tagt, regional sind die Klöster in Kongregationen mit einem Abtpräses zusammengefaßt. Die Trappisten haben ihre alte Organisationsform mit eigenem Generalabt beibehalten

Erwähnt werden muß, daß nicht überall, wo die Reformation im 16 Jhdt. eingeführt wurde, das klösterliche Leben aufhörte. So haben die Klöster Amelungensborn (gestiftet vor 1129, gegr. 1135) und Loccum (gegr. 1163) ihrenStatus als ev.-luth. Klöster bis heute behalten und werden von Äbten geleitet. Sie sind somit die einzigen Männerklöster der Zisterzienser in Deutschland, die seit ihrer Gründung ohne Unterbrechung bestehen, wenn auch in veränderter Form, aber das zisterziensische Erbe immer vor Augen und im Herzen. Gleiches gilt für viele evang. Frauenklöster, vor allem in Norddeutschland, in denen Frauen als Konvente zusammenleben und von einer evang. Äbtissin geleitet werden (so Weinbaues bei Celli, als Zisterzienenkloster von 1230 gegr.). Auch Neubelebungen gibt es im evang. Raum. So hat sich an der Klosterkirche in Bad Doberan vor Jahren ein Konvent neu gebildet. Eine evang. Kommunität hat sich in Gnadenhalt niedergelassen. Zwei evang. Kommunitäten sorgen im ruinierten Zisterzienskloster Volkenrode geistlich und wirtschaftlich für neues klösterliches Leben.

(aus: Hans-Jürgen Drewes, Hildesheim aus: Ev. Kirchengemeinden, Klöster, Konvente und Kommunitäten an Zisterzienserkirchen in Deutschland)